Stromnachfrage nicht ungebremst weiter steigern

Die Behörden sollten klimapolitisch Entwicklungen gut prüfen, die eine deutliche Stei¬gerung des Stromverbrauchs in der Schweiz bewirken könnten. So ist zum Beispiel beim heute diskutierten verstärkten Einsatz von elektrobetriebenen Fahrzeugen die CO2-Intensität des eingesetzten Stroms mit zu berücksichtigen, wenn es um die Beurteilung einer solchen Strategie geht.

Gesamteuropäischen Herkunftsnachweis

Der Schweiz wird empfohlen, sich für ein durchgängiges Herkunftsnachweissystem in Europa einzusetzen. Nur durch Regulierungen, welche letztlich ökonomisch relevant wirken (z.B. durch eine Verknappung oder durch Quoten) entstehen letztlich Anreize, klimaeffiziente Stromprodukte nachzufragen. Zu klären ist hierbei ein kohärentes Zusammenspiel mit den übrigen Lenkungsinstrumenten, insbesondere den CO2-Emissions-Zertifikaten.

Weniger Strom aus nicht-überprüfbaren Energieträgern

Es wird dem Bundesamt für Energie und den Versorgern empfohlen, auf einen geringeren Anteil an Strom aus nicht-überprüfbaren Energieträgern hinzuwirken. Auch wenn derzeit der Primärenergieeinsatz von Strom, der über Börsen gehandelt wird, nicht (oder noch nicht) eruierbar ist, sollte beim Stromimport zumindest der Börsenstandort bzw. das Herkunftsland erfasst werden. Mittelfristig ist eine durchgehende ökologische Kennzeichnung anzustreben.

Weg mit den Elektroheizungen

Bund und Kantone sollten mittelfristig auf einen Ersatz von Elektroheizungen hinwirken. Das relativ ungünstige Nachfrageprofil ist energie- und betriebswirtschaftlich kostentreibend und auch wenig kompatibel mit erneuerbaren Energien aus nicht-steuerbaren Energiequellen. Eine Stromanwendung im Heizungsmarkt rechtfertigt sich nur bei sehr effizienten Anwendungen.

Effizienz der Elektrowärmepumpe verbessern

Entsprechend ist bei den Geräteherstellern und bei der Heizungsbranche (Planer, Installateure) verstärkt auf eine weitere Verbesserung der Jahresnutzungsgrade (JNG) der Wärmepumpensysteme (WP) hinzuwirken. Nach kontinuierlichen Verbesserungen während der 1990er Jahre ist in den letzten Jahren bei den gemessenen Leistungsziffern (COP) und mutmasslich auch bei den realen JNG eine Stagnation festzustellen.

Keine Privilegierung von Strom gegenüber erneuerbar und fossil

Den Kantonen wird empfohlen, die Bestimmungen der Energiegesetze zu hinterfragen bzw. zu überarbeiten, welche explizit oder implizit Strom als CO2-neutral bewerten. Eine privilegierte Behandlung von Elektro-Wärmepumpen lässt sich nur rechtfertigen, wenn sie hocheffizient sind und mit speziell CO2-armen und umwelt-effizienten Stromprodukten betrieben werden.

Mehr Ökostrom einsetzen

Die Stromkonsumenten könnten durch eine verstärkte Nachfrage nach deklariertem Strom auf eine höhere Markttransparenz hinwirken, welche letztlich Anreize für eine verstärkte Umwelteffizienz schafft. Zu empfehlen ist insbesondere Kunden von WP-Heizungen, dass sie speziell CO2-arme und umwelt-effiziente Stromprodukte nachfragen. Gleichzeitig wird den Versorgern empfohlen, bei der Vermarktung oder beim Anschluss von Wärmepumpen oder dem Betrieb von Elektrofahrzeugen den Aspekt der Klimaeffizienz verstärkt mit einzubeziehen und parallel dazu entsprechende Investitionen zu tätigen.

Künftige Stromerzeugung in Europa mitberücksichtigen

Es wird wird empfohlen, in Ökobilanzen beim Indikator CO2 weniger auf den aktuellen (und grossräumigen UCTE) Strommix abzustützen, sondern vielmehr Überlegungen der künftigen Stromerzeugung in der Schweiz und im (nahen) Ausland mit einzubeziehen. Zu  berücksichtigen ist hierbei namentlich auch das zeitliche Profil der Stromnachfrage, denn diese determiniert die marginale Stromerzeugungstechnologie und damit die CO2-Intensität.